Dienstag, 16. Juni 2015

Happy Bloomsday, Will Self!



Heute ist Bloomsday, der Tag an dem „Ulysses“ spielt, und was da gefeiert wird, ist gewöhnlich eine schöne Leich‘, die Leich der Moderne. Nicht so heute! Will Self hat sie kürzlich wiederbelebt, mit L-Dopa in „Umbrella“ (2012) und mit LSD in „Shark“ (2014). Wie ich das sehe, hat er damit der (europäischen) Literatur den Arsch gerettet, er hat etwas ganz Großes geschaffen. Und zwar in enger Anlehnung an Ulysses, er hat die Methode, mit der Joyce den menschlichen Geist studiert, so gut er konnte, nachgemacht – und er konnte sehr gut! Er hat sich getraut, die trüben und scheußlich verstörenden Bewusstseinsströme zu beschreiben, die sich nach allem, was im 20. Jahrhundert passiert ist, zu den Gewässern vermengen, in denen wir uns heute bewegen. Und obwohl das hässlicher und furchterregender ist, als das, was im liebenswerten Leopold Bloom vor sich geht, entsteht doch während man das liest, ein Interesse, eine Lust auf immer neue Erkenntnis über das Wesen des Menschen, und eine Ahnung von einer möglichen Freude an einer solchen Erkenntnis. Jedenfalls geht es mir so. Genauere Erklärung folgt- für heute wünsche ich Will Self von Herzen „Happy Bloomsday“!

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